27.09.2021 Methodik

Design Thinking

Schon tausendmal gehört aber was ist das eigentlich – dieses Design Thinking?

Was ist eigentlich Design Thinking ?

Design Thinking ist der Prozess oder die Methode mit der wir neue Ideen entwickeln, um Probleme kreativer zu lösen. Wir Designer:innen haben in unserer Ausbildung und im täglichen Arbeiten von Grund auf gelernt, genau mit dieser Methode zu arbeiten, denn die funktioniert sehr gut, wenn etwas Neues gestaltet werden soll. Wenn es darum geht, neue, kreative Lösungsansätze für ein Problem zu finden. Der Prozess ist fluide und liefert gleich den Check mit, ob unsere Ideen und Ansätze funktionieren. Im Marketingsprech würde es heißen, zielgerichtet und agil innovative Problemlösungen zu entwickeln. Wir sprechen also von einem kreativen Prozess. Aber wie funktioniert der?

1. Das Problem, die Aufgabe erforschen

Manchmal fehlt einfach das Licht. Das Problem steht vor uns, und wir wollen es sofort lösen. Noch bevor wir es von allen Seiten ganz ausführlich betrachtet haben, durch es hindurchgegangen sind, es untertaucht haben und vielleicht uns mal oben daraufgestellt haben.
Wir wenden uns in diesem Schritt dem Problem mit Hingabe zu. Denn es ist beim genauen Erforschen viel komplexer, manchmal auch viel schöner und vielseitiger als es anfangs scheint. Und es wäre doch zu schade, es gleich anzugehen, obwohl wir nur seine Frontseite kennen.
Am besten begeben wir uns dazu direkt an den Ort des Problems und beobachten. Wir beobachten die Menschen, die Umgebung zu verschiedenen Zeiten, usw. Oder wir skizzieren die Situation, wo und wann es auftritt. So gelangen wir zu Erkenntnissen darüber, wie gravierend das Problem ist, wer sich damit herumschlägt und wer nicht, und wie die Menschen damit bisher umgehen. Manchmal stellt sich an dieser Stelle sogar schon heraus – es gibt gar kein Problem, wir dachten nur, es gäbe eins.

2. Aus der Perspektive der Nutzer:innen denken

Das heißt, bevor wir über eine Idee, eine Lösung nachdenken, beschäftigen wir uns intensiv mit der Zielgruppe, genau genommen, mit der Person, deren Problem wir lösen möchten, oder mit denjenigen, die später von unserem Produkt profitieren sollen. Und allem voran steht die Frage: Welche Aspekte des Problems betreffen zum Beispiel unsere Muster-Personas Paula und Robin?

Um eine Etage tiefer zu steigen, befassen wir uns im nächsten Schritt intensiv mit Paula und Robin, unseren Musterpersonen. Ich werde Paula und du wirst Robin, indem wir ein ausführliches Persona-Profil erarbeiten. Viele Menschen sagen auch, wenn wir durch ihre Brille gucken. Ich mag diesen Ausdruck nicht, denn es geht ja um viel mehr, als nur ums Sehen. Es geht um ihre Persönlichkeit, ihre Bedürfnisse, Gedanken und Ansichten und um das, was sie fühlen. Wer lieber nicht mit Musterpersonen arbeiten möchte, nimmt echte Personen aus dem Umfeld. Auch solche Profile können gut funktionieren, haben sogar den Vorteil, dass wir mit diesen Personen direkt kommunizieren können. Sie geben uns wertvolles Feedback.

3. Verdichten

Nachdem wir den Problemraum weit geöffnet haben, verkleinern wir ihn jetzt und verdichten die Informationen. Wir definieren – am besten im Team – mit welchen Aspekten des Problems und der Zielgruppe wir uns jetzt genauer beschäftigen werden. Welche Aspekte sind für uns maßgeblich, um das Problem auf den Punkt genau zu beschreiben. Und wir definieren: In was für einer Situation würden Paula und Robin dieses Problem überhaupt lösen wollen oder können.

4. Ideen entwickeln

Jetzt machen wir den Lösungsraum auf und entwickeln viele Ideen, die zur Lösung unseres Problems beitragen. Ich schreibe viele, denn an dieser Stelle ist es wichtig, ein großes Portfolio zu entwickeln, aus dem wir später wieder filtern können. Am besten befragen wir auch betroffene Personen: Was würde euch als Beteiligte in einer solchen Situation helfen? Die verschiedenen Ideen beschreiben wir in diesem Schritt genauer. Das ist wichtig, damit wir später noch wissen, was wir gemeint haben. Anschließend kristallisieren wir die Ideen, die uns am vielversprechendsten erscheinen heraus. Um die werden wir uns im nächsten Schritt kümmern.

5. Prototyping und Testen

Hier entsteht eine schnelle, gern auch vorerst eine provisorische Lösung. Die muss nicht perfekt sein, das Wichtigste ist, dass die Idee des Lösungsansatzes klar erkenntlich und gut umgesetzt ist. Und bevor wir unsere Lösung zu detailverliebt und schön machen, testen wir sie direkt. Jetzt brauchen wir nicht mehr Paula und Robin, unsere Musterpersonen, sondern jetzt testen wir mit wirklichen Menschen. Sobald sie das Produkt, die Website, oder die App in der Hand halten oder bedienen, lernen wir an ihrer Reaktionen direkt, ob wir mit unserer Idee auf dem richtigen Weg sind. Vielleicht lernen wir aber auch sehr schnell, dass unsere Idee, unser Lösungsansatz nicht funktioniert und in eine Richtung führt, für die sich niemand interessiert.

Das ist nicht schlimm und gehört zum Prozess. Fehler an dieser Stelle im Prozess zu erkennen ist unglaublich wertvoll. Bevor wir also die eine Lösung in vielen Monaten Arbeit detailverliebt ausarbeiten, bekommen wir ein wertvolles Feedback, ob die Richtung stimmt. Das ist sozusagen der Clou im Design-Thinking-Prozess: Fehler sind erlaubt und liefern wertvolle Erkenntnisse.

6. Zurückspulen

Idee eins und zwei funktionieren nicht, weil …
Das macht nichts, denn wir können jederzeit an eine beliebige Stelle im Prozess zurückspringen. Zurück zum Problem, zurück zur Zielgruppe oder zurück zu dem Ideenboard mit verschiedenen Lösungsansätzen. Worauf es jetzt ankommt, ist gute Teamarbeit, denn nichts ist destruktiver als ein: Siehste – hab ich doch gleich gesagt, dass das nicht funktioniert …
Also, mit Vergnügen zurück, es ist ein Prozess. Ein stückweit ist es auch ein Spiel. Spiele haben nie das Ziel, möglichst schnell vorbei zu sein. Und wer so spielt, der oder die spielt nicht fair.

7. Nächste Runde

Wir steigen wieder ein in den Ring, und denken neu. Und beim Prototyping lernen wir, ob unsere neue Idee als Lösungsansatz besser funktioniert. So geht der Prozess weiter, bis wir an einem Punkt sind, an dem es Klick macht und wir ein Ergebnis haben, dass uns allen ein Leuchten in den Augen hervorruft, etwas, das wir mit Begeisterung umsetzen möchten.

So ein Prozess kann anstrengend sein – und ja, es werden immer wieder Ideen und Lösungen mit Schweiß und Tränen erarbeitet und diskutiert, und dann über Bord geworfen. Das ist nicht immer einfach und kann sehr verletzend sein, wenn das Team kein gutes Team ist, das gemeinsam für seine Sache antritt.

Wenn diese Methode noch nie erprobt wurde, braucht es dazu eine kompetente Moderation. Denn schließlich will man ja am Ende das tolle Ergebnis gemeinsam feiern können und sich nicht im Prozess schon die Köpfe eingeschlagen haben.

Diesen Prozess kennen natürlich nicht nur Designer:innen, er wird auch in vielen Unternehmen angewendet. Wir empfehlen immer, dass diejenigen, die später im Design Doing beauftragt werden, auch gleich mit in diesen Design Thinking Prozess integriert werden. Es macht das Team deutlich diverser, wenn Gestalter:innen bei diesem Prozess dabei sind oder ihn gegebenenfalls auch moderieren.

Neugierig?

Alle unsere Workshops oder Kick-Off-Meetings enthalten wesentliche Elemente aus dem Design-Thinking-Prozess. Immer abgestimmt auf die jeweilige Situation.
Fragen Sie uns gerne an.


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Lena Weissweiler
Chief Inspiration Officer

Mein Großvater war Mathelehrer und liebte die Klarheit wenn sich Gleichungen auflösen. Mich beglücken Prozesse, bei denen die Kommunikation am Ende klar ist.

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